Klimafreundliches Pendeln (ABH019)

In mehreren Pilotversuchen zur Verkehrsverlagerung und -verbesserung wurde exemplarisch an den Grenzpendelnden am Hochrhein untersucht, wie sich die CO2-, Lärm- und Schadstoffemissionen sowie der Flächenverbrauch beim Berufsverkehr reduzieren lassen. Im Rahmen von zwei öffentlichen Fachveranstaltungen wurden die Ergebnisse und Erfahrungen verbreitet und ein Impuls für klimafreundlichere Mobilität am Hochrhein gegeben.
Über 36.000 Personen pendeln täglich (Stand Juli 2018) aus den süddeutschen Landkreisen Lörrach und Waldshut zu ihren Arbeitsorten in die Schweiz. Von diesen Grenzgängerinnen und Grenzgängern profitieren beide Länder, dennoch sollten deren Arbeitswege das Klima nicht unnötig belasten. Von Sommer 2016 bis Herbst 2017 wurden im Interreg-Projekt „Klimafreundlich Pendeln“ mehrere Pilotversuche zu Elektromobilität und Fahrgemeinschaftsbildung mit Mitarbeitenden von ABB Schweiz mit Wohnort in Deutschland durchgeführt. Fünf ABB-Standorte in den Kantonen Aargau und Schaffhausen waren beteiligt. Dabei wurden folgende Maßnahmen getestet:

- Vier Mitarbeitende mit Wohnort in Deutschland sind während zwölf Monaten mit einem elektrisch betriebenen Projektauto zur Arbeit gependelt. Am Arbeitsort war das Laden der Fahrzeuge für die Mitarbeitenden kostenlos. Alle Projektteilnehmer haben sich positiv zum Thema Elektromobilität geäußert.

- Ein Pool-Auto, das untertags allen Mitarbeitenden für Dienstreisen zur Verfügung steht, einem Hochrheinpendler für Heimfahrten zur Verfügung gestellt. So wurde das Auto mit dem Ziel, eine konstant hohe Auslastung zu erreichen, während eines Jahres dual genutzt: Als Pendelauto und als Pool-Fahrzeug.
 
- Im Rahmen des Projektverlaufes wurden wissenschaftliche Untersuchungen angestellt, inwiefern extrinsische Motivationsanreize für die Bildung von Fahrgemeinschaften funktionieren. Die monetären Anreize erfolgten über das Parkraummanagement. Für einen Standort wurde der kombinierte Anreiz aus kostenfreiem Parkplatz und einer Parkplatzreservierung gewählt. An einem zweiten Standort wurde nur der kostenfreie Parkplatz als Anreiz angeboten. Begleitende Kommunikationsmaßnahmen schlossen Mailing, Flyering, Fahrgemeinschaftsmittagessen, Infomaterial, direkte Vermittlung über Fahrtweganalyse und eine firmeninterne Mitfahr-App ein. Dank diversen Kommunikationsmaßnahmen konnte an einem Standort ein besonders beachtlicher Erfolg erzielt werden: 25% der Grenzpendelnden fahren heute in einer Fahrgemeinschaft zur Arbeit. Das ist erheblich mehr als der der Schweizer Durchschnitt (10%). Mobilitäts-Wettbewerb „Pendeln und Punkten“

- Zur Untersuchung von intrinsischen Anreizen für den Umstieg auf ein klimafreundliches Verkehrsmittel wurde an einem Standort ein Mobilitäts-Wettbewerb unter dem Titel „Pendeln und Punkten“ durchgeführt. Dabei konnten Mitarbeitende für die Anreise an den Arbeitsort nach Distanz und Auswahl des Verkehrsmittels Punkte sammeln. Außerdem wurden kostenlose E-Bikes für Testfahrten zur Verfügung gestellt.

- Im Rahmen von zwei grenzüberschreitenden Fachveranstaltungen inkl. einer Podiumsdiskussion mit lokalen Entscheidungsträgern konnten durch das Projekt einen Impuls für klimafreundlichere Mobilität am Hochrhein gegeben und wichtige Akteure über die Grenze vernetzt werden.
- Während der gesamten Projektlaufzeit wurde aktive Medien- und Öffentlichkeitsarbeit betrieben.

Die Ökobilanzierung der insgesamt 17 Pendlerinnen und Pendler, die ihr Mobilitätsverhalten aufgrund des Projekts nachweislich geändert haben, zeigt die Einsparung von 45 t CO2e / Jahr (-45%) bzw. 41 Mio. UBP / Jahr (-32%) auf. Umfragen zeigen eine positive Tendenz Die Befragung der Mitarbeitenden von ABB Schweiz mit Wohnort in Deutschland vor und nach den Pilotversuchen ergab, dass während der Projektlaufzeit eine Verschiebung im Modal-Split stattgefunden hat. So haben sich die CO2-Emissionen gegenüber 2013 statistisch um 9 % reduziert. Der Anteil der Alleinfahrten im Verbrennungs-PKW ging dabei um 11 % zurück. Gleichzeitig ist 2017 6 % weniger Parkfläche nötig als 2013. 27 % der Befragten, die während der Projektzeit zu einem klimafreundlicheren Verkehrsmittel gewechselt haben, geben als Grund das Pilotprojekt „Klimafreundlich Pendeln“ an.

 

  Projekttitel

Wissenschaftliche Begleitforschung zur Etablierung eines klimafreundlichen Berufspendlerverkehrs in der Hochrheinregion

Website https://www.klimafreundlichpendeln.org/
Projektzeitraum 01.07.2015 - 30.06.2018

Kofinanzierungssatz

 

EU: 60,00%

CH: 35,00%

Beteiligte Länder

DE, CH
   
   

 

Leadpartner

Hochschule Offenburg
Institut für Energiesystemtechnik
Badstraße 24
77652 Offenburg
Deutschland

Projektpartner

  • ABB Schweiz AG (CH)
  • Hochschule für Technik FHNW, Zentrum für Ressourceneffizienz (CH)
  • Hochschule Reutlingen (D)
  • Regierungspräsidium Freiburg, Stabsstelle für grenzüberschreitende Zusammenarbeit und europäische Angelegenheiten (D)
  • Kanton Schaffhausen, Staatskanzlei Koodinationsstelle für Aussenbeziehungen (CH)
  • Landkreis Waldshut, Amt für Wirtschaftsförderung und Nahverkehr (D)
  • Kanton Aargau, Staatskanzlei, Abteilung Strategie und Aussenbeziehungen (CH)
  • Landkreis Lörrach, Stabsstelle für grenzüberschreitende Zusammenarbeit (D)



 

 

 

 

 

 

Kosten

Förderung

EU: € 306.683,83
€ 184.010,21
Schweiz: € 309.900,04 € 108.464,97
Fürstentum Liechtenstein: € 0,00 € 0,00
Gesamt: € 616.583,87 € 292.475,18